Esoterik - Okkultismus  

Die alten Götter















Die alten Götter: Scheidung

Die alten Götter - Karl Philipp Moritz - Götterlehre



Die Scheidung zwischen den alten und neuen Göttern gibt den mythologischen Dichtungen einen vorzüglichen Reiz. Die alten Gottheiten sind, wie wir schon bemerkt haben, gleichsam in Nebel zurückgetreten, woraus sie nur noch schwach hervorschimmern, indes die neuen Götter in dem Gebiete der Phantasie ihren Platz behaupten und durch die bildende Kunst bestimmte Formen erhalten, in welche sich die verkörperte Macht und Hoheit kleidet und ein Gegenstand der Verehrung der Sterblichen in Tempeln und heiligen Hainen wird.

Durch die alten Gottheiten aber sind die neuen gleichsam vorgebildet. – Das Erhabene und Göttliche, was immer schon da war, läßt die Phantasie in erneuerter und jugendlicher Gestalt von unsterblichen oder von sterblichen Müttern wiedergeboren werden und gibt ihm Geschlechtsfolge, Namen und Geburtsort, um es näher mit den Begriffen der Sterblichen zu vereinen und mit ihren Schicksalen zu verweben.

Weil demohngeachtet aber die Phantasie sich an keine bestimmte Folge ihrer Erscheinungen bindet, so ist oft eine und dieselbe Gottheit unter verschiedenen Gestalten mehrmal da. Denn die Begriffe vom Göttlichen und Erhabenen waren immer, allein sie hüllten sich von Zeit zu Zeit in menschliche Geschichten ein, die sich ihrer Ähnlichkeit wegen ineinander verloren und labyrinthisch verflochten haben, so daß in dem Zauberspiegel der dunkeln Vorzeit fast alle Göttergestalten, gleichsam im vergrößernden Widerscheine, sich noch einmal darstellen, welches die Dichter wohl genutzt haben, deren Einbildungskraft durch den Reiz des Fabelhaften in dieser dunkeln Verwehung mehrerer Geschichten einen desto freiern Spielraum fand.
Aus Karl Philipp Moritz - Götterlehre

Götter - Wohnstätten der Götter


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