Esoterik - Okkultismus  

Bacchus / Bakchos















Bacchus, Gott des Weines

Bacchus - Gott der Vegetation

Bacchus wird mit dem griechischen Gott Dionysos gleichgesetzt.



Bacchus bei Moritz

Bacchus
Obgleich von sterblichen Müttern geboren, sind Bacchus und Herkules dennoch dem Chore der himmlischen Götter zugesellt. Bacchus aber ist demohngeachtet die höhere Göttergestalt; in ihm offenbart sich gleich die ganze Fülle seines Wesens, und er hat unmittelbar unter den himmlischen Göttern seinen Sitz, wozu sich Herkules durch unüberwindlichen Heldenmut den Weg erst bahnen muß.

Dieser tritt daher auch in den Dichtungen der Alten erst unter den götterähnlichen Helden auf, indes sich Bacchus gleich dem Chor der Götter anschließt.

Des Bacchus hohes Urbild war die innre schwellende Lebensfülle der Natur, womit sie dem Geweihten begeisternden Genuß und süßen Taumel aus ihrem schäumenden Becher schenkt. Der Dienst des Bacchus war daher, so wie der Dienst der Ceres, geheimnisvoll; denn beide Gottheiten sind ein Sinnbild der ganzen wohltätigen Natur, die keines Sterblichen Blick umfaßt und deren Heiligtum keiner ungestraft entweiht.

Die Dichtung von der Geburt des Bacchus selber enthält einen hohen Sinn. Die eifersüchtige Juno verleitet Semelen zu dem törichten Wunsche, in Jupiters Umarmung auch seine Gottheit zu umfassen; sie fordert vom Jupiter erst den unverletzlichen Schwur, ihre Bitte zu erfüllen, und nun verlangt sie, daß er in seiner wahren Göttergestalt bei ihr erscheinen solle. Jupiter nähert sich ihr mit seinem Donner, sie aber wird, vom Blitz erschlagen, ein Opfer ihres vermessenen Wunsches.

Den jungen Bacchus reißt der Donnergott aus der Mutter Schoße und verbirgt ihn bis zur Zeit der Geburt in seine eigene Hüfte. – Das Sterbliche wird zerstört, ehe das Unsterbliche hervorgeht. – Die Menschheit kann den Glanz der Gottheit nicht ertragen und wird von ihrer furchtbaren Majestät vernichtet.

Merkur trug nun den jungen Bacchus zu den Nymphen, die ihn erziehen sollten, und die Inseln und Länder streiten sich um den Vorzug, die wohltätige Gottheit, welche die Menschen den Weinbau lehrte, in ihrem Schoße gepflegt zu haben.

Als Knaben stellen die Dichtungen den Bacchus dar, wie er, gleichsam halb in süßem Schlummer taumelnd, noch nicht die ganze Fülle seines Wesens faßt und vor den Beleidigungen der Menschen furchtsam scheint, bis sich auf einmal durch wunderbare Ereignisse seine furchtbare Macht entdeckt.

Lykurgus, ein König in Thracien, verfolgte die Pflegerinnen des Bacchus auf dem Berge Nysa und verwundete sie mit seinem Beile. Bacchus selber warf sich vor Schrecken ins Meer, wo ihn die Thetis in ihre Arme aufnahm, die ehemals auch den Vulkan bei sich verbarg, als Jupiter ihn vom Himmel geschleudert hatte. Lykurgus aber wurde für seinen Frevel von den Göttern mit Blindheit bestraft und lebte nicht lange mehr, denn er war den unsterblichen Göttern verhaßt.

Als Seeräuber einst den Bacchus, den sie für den Sohn eines Königs hielten, in Hoffnung eines kostbaren Lösegelds, entführen und binden wollten, so fielen dem lächelnden Knaben die Banden von selber ab; und da sie dennoch seine Gottheit nicht erkannten, so ergoß sich erst ein duftender Strom von Weine durch das Schiff; dann breitete sich plötzlich bis zum höchsten Segel ein Weinstock aus, an welchem schwere Trauben hingen; um den Mastbaum wand sich dunkler Efeu, und mit Weinlaub waren alle Ruder bekränzt.

Auf dem Verdeck des Schiffes aber zeigte sich ein Löwe und warf die grimmigen drohenden Blicke umher. Da ergriff die Frevler Angst und grauenvolles Entsetzen; zur Flucht stand ihnen kein Weg mehr offen; sie sprangen vom Schiffe ins Meer, wo sie, sich plötzlich als Delphinen krümmend, Zeugen von der Macht der alles besiegenden Gottheit wurden.

Pentheus, ein König in Theben, der gleich dem Bacchus ein Enkel des Kadmus war und der Verehrung der neuen Gottheit, welcher alles Volk Altäre weihte, sich spottend widersetzte, mußte gleich den Frevlern auf dem Schiffe des Weingottes furchtbare Macht empfinden.

Unter der Gestalt eines Jünglings aus dem Gefolge des Bacchus erschien der Gott ihm selber und warnte ihn durch die Erzählung von dem Schicksal, das die frevelnden Männer traf, die den mächtigen Pflanzer der Reben auf ihrem Schiffe gebunden entführen wollten.

Pentheus, noch mehr vom Zorn entbrannt, ließ den vermeinten Jüngling ins Gefängnis werfen und zu seiner Marter und Hinrichtung die grausamen Werkzeuge bringen.

Plötzlich stürzte das Gefängnis ein, der Gott schüttelte seine Banden ab, und Pentheus, der voll rasender Wut auf dem Berge Cythäron die Priesterinnen des Bacchus verfolgte, ward von seiner eigenen Mutter und ihren Schwestern, die in der wilden Begeisterung ihn für einen Löwen ansahen, in Stücken gerissen und sein Haupt im Triumph emporgetragen.

Der Zug des Bacchus in Indien ist eine schöne und erhabne Dichtung. Mit einem Kriegsheer von Männern und Weibern, das mit freudigem Getümmel einherzog, breitete er seine wohltätigen Eroberungen bis an den Ganges aus. Er lehrte die besiegten Völker höhern Lebensgenuß, den Weinbau und Gesetze.

In seiner Götterbildung verehrten die Sterblichen das Hohe, Freudenreiche des Genusses, was in die menschliche Natur verwebt ist, als ein für sich bestehendes hohes Wesen, das in der Gestalt des ewig blühenden Knaben Löwen und Tiger bändigt, die seinen Wagen ziehen, und im göttlich süßen Taumel, unter dem Schall der Flöten und Trommeln, vom Aufgange bis zum Niedergange durch die Länder aller Nationen triumphierend seinen Einzug hält.

In drei Jahren vollendete Bacchus seinen siegreichen, die Völker der Erde beglückenden Zug, zu dessen Andenken stets nachher, sooft drei Jahre verflossen waren, die Feste gefeiert wurden, an denen das freudige Getümmel, womit der Zug des Bacchus begleitet war, aufs neue von den Bergen widerhallte.

Die Priesterinnen des Bacchus, mit zerstreutem Haar auf den Bergen umherschweifend, erfüllten die Luft mit dem Getöse ihrer Trommeln und mit ihrem wilden Geschrei: »Evoe Bacchus!«

Der drohende Thyrsusstab in ihrer Hand, an dem die farbichten Bänder wehten, während daß unter dem Fichtenapfel sich oben die verwundende Spitze barg, bezeichnet den schönen Feldzug, wo das Furchtbare und Kriegerische unter Gesang und Flötenspiel verborgen lauschte.

Diese begeisterten Priesterinnen des Bacchus, welche auch Bacchantinnen hießen, sind ein erhabner Gegenstand der Poesie. Eine Bacchantin ist gleichsam über die Menschheit erhaben. Von der Macht der Gottheit erfüllt, sind die Grenzen der Menschheit ihr zu enge.



So schildert ein Dichter aus dem Altertume die Begeisterte, wie sie auf dem Gipfel des Gebirges, den sie bewußtlos erstiegen hat, auf einmal vom Schlummer erwacht und nun den Hebrus und das ganze mit Schnee bedeckte Thracien vor sich liegen sieht. »Die Gefahr ist süß«, ruft der Dichter aus, »dem Gott zu folgen, der mit grünendem Laube die Schläfe umkränzt hat.«

Ebendiese Anstrengung aller Kräfte, dies Emporstreben in der wilden, furchtbaren Begeisterung ist es, wodurch dies Bild so schön wird.

Auch das Alter wird in dem Gefolge des Bacchus berauscht vom Lebensgenuß und taumelnd mit aufgeführt. Auf seinem Esel reitet der alte Silen mit schwerem Haupte, von Satyrn und Faunen gestützt, und macht in dem jugendlichen Gemälde den reizendsten Kontrast.

Ohngeachtet dieses Lächerlichen wurde Silen in den Dichtungen der Alten als ein hohes Wesen dargestellt. Ihm wird eine hohe Kenntnis göttlicher Dinge zugeschrieben, und seine Trunkenheit selber wurde sinnbildlich auf den hohen Taumel, worin sein Nachdenken über die erhabensten Dinge ihn versetzte, gedeutet. Auch war er nebst dem weisheitbegabten Chiron der Erzieher des jungen Bacchus.

Zwei Hirtenknaben binden einst den trunkenen, schlummernden Silen, – weil sich ein Gott, den Sterbliche im Schlummer binden können, durch die Gewährung einer Bitte lösen muß; – schalkhaft malt die Nymphe mit dem Saft der Beeren des Trunkenen Schläfe rot, und da nun Silen erwacht, so fordern die Hirten nichts weiter als ein Lied von ihm zum Lösegelde.

Und nun ertönet hohe Weisheit von den Lippen, die der Nektartrank der süßen Trauben netzte. Er singt der Dinge Entstehung und ihren wunderbaren Wechsel. Die Hirten lauschen entzückt auf den Gesang und halten dieses Lied ihrer höchsten Wünsche wert.

Auch diese schöne Dichtung zeigt, wie die Alten das Komische selber wieder mit Würde zu überkleiden wußten und einen Vereinigungspunkt für lachenden Scherz und himmlische Hoheit fanden, der uns entschwunden scheint. – In Elis in Griechenland hatte Silen einen eigenen Tempel, wo man ihm göttliche Ehre erzeigte. –

Der schalkhaft lächelnde Faun, der boshaft spottende Satyr gehörten mit in das Gefolge des Bacchus, worin sich alles vereinigte, was bei jugendlicher Schalkhaftigkeit und frohem Leichtsinn durch eine höhere Natur über die Sorgen und Pflichten der Sterblichen erhaben und durch menschliche Bedürfnisse auf keinen Grad der Mäßigung beschränkt war.

Denn in dem hohen Sinnbilde, welches den fröhlichen Genuß des Lebens selbst bezeichnet, der, über den ganzen Erdkreis sich mitteilend und verbreitend, keine Grenzen kennt, mußte auch die Darstellung des höchsten Genusses unbeschränkt sein und alles das sich in der Dichtung zusammenfinden, was, wenn es wirklich wäre, die Menschheit zerstören würde.

Denn freilich ist es die Allgewalt des Genusses, die furchtbar über den Menschen waltet und ebenso wohltätig, wie sie ist, auch wieder Verderben drohet.

Eben der Dichter aus dem Altertum, welcher mit hoher Begeisterung das Lob des Bacchus singt, ermahnt daher die Trinker, des blutigen Zanks sich zu enthalten und führt zum warnenden Beispiel das Gefecht der Centauren und Lapithen an, welche, vom Wein erhitzt, des gastfreundschaftlichen Mahls vergaßen und, von wilder Mordlust hingerissen, in rasendem Getümmel gegeneinander stürmten, bis die Leichname der Erschlagnen den Boden deckten.

Ohngeachtet dieser drohenden Gefahr war aber dennoch hoher Lebensgenuß und selbst die wilde Freude bei den Alten in der Reihe der Dinge mit gezählt und von den Festen der Götter nicht ausgeschlossen. Das Leben war ein saftvoller Baum, der ungehindert Äste und Zweige emporschoß und den auch seine üppigen Auswüchse nicht entstellten.

Bis zu der hellsten Flamme wurden die Leidenschaften angefacht und hielten dennoch, alle gleich mächtig, sich die mehrste Zeit einander im schönen Gleichgewicht. Heldenruhm, Triumphe, frohlockende Gesänge und hohe Lebensfreuden waren in immerwährendem Gefolge: durch diesen süßen Wechsel wurde das Gemüt stets offen und frei erhalten; geheime Wünsche und Gedanken durften noch unter keiner Larve von falscher Bescheidenheit und Demut sich verstecken.

Sobald man ein Bacchanal sich ohne Üppigkeit denken wollte, würde es aufhören, ein Gegenstand der Kunst zu sein; denn gerade die Wildheit, das Taumeln, das Schwingen des Thyrsusstabes, die Ausgelassenheit, der Mutwille macht das Schöne bei diesen frohen Wesen aus, die nur in der Einbildungskraft ihr Dasein hatten und, bei den Festen der Alten in einer Art von Schauspiel dargestellt, den düstern Ernst verscheuchten.

Auf den Marmorsärgen der Alten findet man häufig Bacchanale abgebildet. Um selbst noch hier den Ernst mit frohem Lächeln, die Trauer mit der Fröhlichkeit zu vermählen, ist gerade der Punkt gewählt, wo Tod und Leben auf dem Gipfel der Lust am nächsten aneinandergrenzen. Denn der höchste Genuß grenzt an das Tragische, er droht Verderben und Untergang; dasselbe, was die Menschengattung mit jugendlichem Feuer beseelet, untergräbt und zerstört sie auch.

Da nun durch das frohe Getümmel des Bacchus die höchste Fülle der Lust bezeichnet werden soll, so ist ein gemäßigtes Bacchanal kein Bacchanal, ebenso wie eine sanfte Juno keine Juno, ein ehrlicher Merkur kein Merkur, ein enthaltsamer kalter Jupiter kein Jupiter und eine dem Vulkan getreue Venus keine Venus ist.

In der Göttergestalt des ewig jungen Bacchus verjüngten sich nun auch wie bei den übrigen Göttern die ähnlichen Erscheinungen, welche die Vorwelt in dunkle Sagen hüllte.

Demohngeachtet gab es noch einen Indischen oder Ägyptischen Bacchus, welcher bärtig dargestellt wurde und dessen Abbildung man nicht selten unter den alten Denkmälern findet. – Die goldnen Hörner auf dem Haupte des Bacchus, welche die bildende Kunst der Griechen versteckte oder sie nur ein wenig hervorscheinen ließ, geben dieser Dichtung ebenfalls ein Gepräge des hohen Altertums, wo das Horn auf die erhabensten Begriffe von inwohnender wohltätiger Götterkraft und unbesiegter Stärke deutet.

Unter den Tieren ist der gefleckte Panther dem Bacchus geweiht; es ist die Wut, die Grausamkeit selber, welche durch ihn gezähmt wird und sich zu seinen Füßen schmiegt.

Der immergrünende Efeu, die Schlange, die sich verjüngt, indem sie ihr Fell abstreift, sind schöne Sinnbilder der nie verwelkenden Jugend, worin die Göttergestalt des Bacchus dem Apollo gleicht, nur daß die bildende Kunst der Alten den Bacchus weicher und weiblicher, mit stärkern Hüften darstellt.
Aus Karl Philipp Moritz - Götterlehre


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