Esoterik - Okkultismus  

Cybele - Kybele















Cybele, Vegetationsgöttin

Cybele - Muttergottheit

Cybele / Kybele, phrygische Muttergottheit, Vegetationsgottheit, die "große Mutter". Ein Mythos berichtet, daß Kybele aus einem Stein geboren worden sei, den Deukalion und Pyrrha nach der Sintflut geworfen hatten. Kybele ist Mutter des Korybas und des Midas. Wird mit der Rhea gleichgesetzt.

Kybele (auch Kybebe oder nach den ihr geheiligten Bergen Dindymene, Agdistis genannt), ursprünglich Landesgottheit der Phrygier, die "große Mutter", die besonders an Küstenplätzen auf orgiastische Weise verehrt ward, Symbol des Mondes und der Fruchtbarkeit, bei den Griechen mit Rhea (s. d.) identifiziert.
Meyers Konversations-Lexikon, 3. Auflage von 1878

Cybele bei Moritz

Cybele
In dieser fremden Göttergestalt, die phrygischen Ursprungs war, verjüngte sich die Dichtung von der Rhea, welche, da sie den Jupiter geboren, statt seiner einen eingewickelten Stein dem Saturnus zu verschlingen gab und heimlich auf der Insel Kreta das Götterkind erziehen ließ, um welches die Korybanten mit ihren Waffen ein wildes Getöse machten, damit Saturnus nicht die Stimme des weinenden Kindes hörte.

An diese alte Sage knüpften sich die Begriffe von Entstehung und Erzeugung des Gebildeten an. Es war die Mutter aller Dinge, welche die zerstörende Obermacht zu täuschen, das zarte Gebildete vom Untergange zu retten und es heimlich und sorgsam zu pflegen wußte, so wie die allbefruchtende Natur es mit dem zarten Keime macht, den sie im Schoß der Erde vor Wind und Stürmen schützt.

So war das Urbild der Cybele die große Erzeugungskraft, die alle Naturen bändigt, den Löwen zähmt, den Schoß der Erde befruchtet. Man dachte sie sich als die Beherrscherin der Elemente, den Anfang aller Zeiten, die höchste Himmelsgöttin, die Königin der Unterwelt und selber als das Urbild jeder Gottheit, die wegen der immer herrschenden, erzeugenden und gebärenden Kraft in ihr sich weiblich darstellt.

Ob aber gleich diese Göttin auf einem mit Löwen bespannten Wagen und mit einer Mauer- oder Turmkrone auf dem Haupte abgebildet wurde, wodurch ihre alles bändigende Macht und zugleich ihre Herrschaft über den mit Städten besäeten Erdkreis dargestellt werden sollte, so war doch diese Abbildung gleichsam nur eine äußere Überkleidung ihres unbegreiflichen gestaltlosen Wesens, welches man sich gerade unter dem Unförmlichen am ehrwürdigsten dachte.

Im Tempel der großen Mutter in Pessinunt war es ein kleiner schwarzgrauer, unebener, spitziger Stein, an welchem die Idee von Gestalt und Form am wenigsten haften konnte, der die verehrte Mutter der Dinge bezeichnete.

Es war derselbe Begriff von diesem hohen Wesen, das sich auch in die Gestalt der ägyptischen Isis hüllte, auf deren Tempel geschrieben stand: ›Ich bin alles, was da ist, was da war, was da sein wird, und meinen Schleier hat kein Sterblicher aufgedeckt.

So verehrt nun diese große Göttin selber war, so verächtlich waren größtenteils ihre Priester, an welchen sie dafür, daß sie sich ihr gleichsam zu sehr nähern wollten, eine furchtbare Rache nahm. – Die Priester der Cybele entmannten in ihrer fanatischen Wut sich selber und geißelten und zerfleischten sich. Sie liefen in wilder Begeisterung mit fliegendem Haar umher, das Haupt in den Nacken und von einer Seite zur andern werfend. Die hohe Göttin sahe den Trupp entmannter Weichlinge gleichsam triumphierend in ihrem Gefolge.

Es war die üppigste, ausschweifendste, sich selbst überströmende und in zerfleischende Wut ausartende Lebensfülle, welche den Zug der großen Erzeugerin, der mächtigen Löwenbändigerin allenthalben begleitete.

Die große Mutter aber selber blieb stets verehrt. Der Gottheit schadete die Raserei ihrer Priester nicht, und der Begriff von ihr behielt unter allem Mißbrauch ihrer Hoheit seine ursprüngliche Erhabenheit, indem man in ihr unter jeder Benennung nichts anders als die allerzeugende, allbefruchtende und allbelebende Mutter Natur selbst verehrte.
Aus Karl Philipp Moritz - Götterlehre


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