Esoterik - Okkultismus  

Dädalus















Dädalus - Halbgott

Dädalus - Erfinder

Dädalus - Held der griechischen Sage, Erfinder, flieht aus Athen nach Kreta, baut dort Labyrinth; wird von Minos gefangengehalten; entflieht mit Ikarus



Dädalus
Dädalus - In dem der Minerva geweihten Athen entwickelten sich zuerst die bildenden Künste und hatten unter den Beschäftigungen der Menschen einen hohen Rang. Dädalus, der aus dem königlichen Geschlecht der Erechthiden stammte, gab, nach der Dichtung, den Bildsäulen, die er verfertigte, Leben und Bewegung.

Er war es, der zuerst die dicht aneinander geschloßnen Füße, so wie man sie noch an den ägyptischen Bildsäulen sieht, voneinander trennte, die dicht anliegenden Arme vom Rumpfe löste und seinen Bildsäulen eine fortschreitende Stellung gab. Was Wunder, daß dieser ganz neue Anblick jeden in Erstaunen setzte und die Sage veranlaßte, daß die Bildsäulen des Dädalus sich bewegten. In diesem ersten Schritt des Dädalus in der Kunst lag etwas Hohes und Göttliches, das die Verehrung und Bewundrung der Nachwelt auf sich zog und den Namen des Künstlers unsterblich machte, der dennoch seinen Ruhm durch eine grausame und schwarze Tat befleckte.

Unter seiner Anführung bildete sich ein Jüngling namens Talus, ein Sohn der Schwester des Dädalus. Als dieser einst mit dem Kinnbacken einer Schlange ein Stück Holz voneinanderschnitt, kam er auf den Gedanken, die Schärfe der Zähne im Eisen nachzuahmen, und so erfand er die Säge, eines der nützlichsten Werkzeuge, dessen die Menschen sich bedienen. Auch die Erfindung der Töpferscheibe war das Werk des Talus.

Dädalus, über die Fortschritte seines Lehrlings eifersüchtig, warf einen tödlichen Haß auf ihn. – Der grausamste Künstlerneid war schon mit der ersten Entstehung der Kunst verwebt. – Dädalus führte den Jüngling auf eine steile Anhöhe, wovon er, ehe jener es sich versahe, ihn hinunterstürzte und so den Talus durch seinen Fall für die Erfindungen büßen ließ, womit er seinen Meister überfliegen wollte. Als die grausame Tat des Dädalus kundwurde, ward er zum Tode verdammt und mußte aus Athen entfliehen, worauf er erst eine Zeitlang flüchtig umherirrte, bis er in Kreta bei dem Könige Minos, dem er das Labyrinth erbaute, eine Zuflucht fand.



Als Minos aber nachher den Dädalus mit seinem Sohn Ikarus in dem von dem Künstler selbst erbauten Labyrinthe gefangenhielt, so strebte die eingehemmte Kunst, selbst das Unmögliche zu versuchen und, weil nur ein Ausgang nach oben war, mit angesetzten künstlichen Flügeln sich in die Lüfte emporzuheben. Dädalus suchte mit klebendem Wachs die Fugen der Flügel zu verbinden und legte sie sich und seinem Sohn an, den er vorher sich üben ließ, allmählich sich emporzuschwingen. Als sie nun die Reise durch die Luft antraten, warnte Dädalus seinen Sohn, ja nicht zu hoch im Fluge sich zu erheben! Dieser aber vergaß der Warnung; da schmolzen ihm die Flügel im Sonnenstrahl, und er fand in dem Meere seinen Tod, das man nach seinem Namen das Ikarische nannte. Dädalus, der den Talus stürzte, sah nun zu seiner Qual den Fall seines eignen Sohnes, den er nicht retten konnte.

Er selber ließ sich in Sizilien nieder, wo Kokalus ihn gastfreundlich aufnahm und ihn vor der Verfolgung des Minos schützte, dem er bei einem Besuch sogar das Leben raubte und auf die Weise den Dädalus sicherstellte, welcher zur Dankbarkeit verschiedne große Werke in dem Gebiete des Kokalus unternahm: Kanäle und Teiche grub, ein Schloß auf einem Felsen erbaute, den Gipfel des Berges Eryx ebnete und zuletzt eine goldne Kuh, von ihm selbst verfertigt, der Erycinischen Venus weihte. Geraume Zeit nachher fand man noch Spuren von seinen Werken; sein Name ward zum Sprichwort, worunter man alles sinnreich Erfundne und Künstliche mit einemmal begriff.

Auf einer antiken Gemme, deren Umriß auf der hier beigefügten Kupfertafel sich befindet, ist Dädalus dargestellt, wie er sitzend und sinnend an dem vor ihm stehenden künstlichen Flügel noch mit bildender Hand arbeitet. Auf ebendieser Tafel befindet sich auch, nach einem antiken geschnittnen Steine, eine Abbildung des Theseus, der einen großen Stein aufhebt, worunter Schuh und Schwert seines Vaters verborgen lagen.
Aus Karl Philipp Moritz - Götterlehre


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