Esoterik - Okkultismus  

Diana















Diana - römische Göttin

Diana - Göttin der Jagd

Diana ist die römische Göttin der Jagd - sie entspricht der griechischen Artemis.

Diana, skythische Gottheit, die man wegen der in ihrem Kultus üblichen Menschenopfer mit jener identisizierte. Ebensowenig wie diese ist die von den Joniern Asiens verehrte Diana von Ephesos eine griechische Gottheit, sondern, wie schon die ganz ungriechische Besorgung ihres Dienstes durch Verschnittene zeigt, eine asiatische und als Mondgött.in und auf Bergen, in Wäldern und im Feuchten wirkende, das Leben der Vegetation, der Tiere und Menschen nährende Naturkraft von den griechischen Ansiedlern mit ihrer Artemis identifiziert, zum Unterschied von der sie nicht jungfräulich, sondern, wie es auch die vielen Brüste ihres rohen Bildes ausdrückten, mütterlich und ammenartig gedacht war. Ihr nach asiatischer Art stürmischer und fanatischer Dienst wurde auf die Amazonen zurückgeführt. Außerdem wurde in Asien noch eine Anzahl andrer heimischer Gottheiten von den Griechen unter dem Namen Artemis verehrt. - Die Römer identifizierten mit der Artemis die altitalische Mondgöttin Diana.

Die bildende Kunst stellte die Diana, wie ihren Bruder Apollon, je nach den verschiedenen Bedeutungen verschieden dar. Während die ältere Kunst in ihr mehr die licht- und segenspendende Göttin, die Beschützerin von Tier und Menschen wiedergibt, faßt die spätere Zeit sie mehr als die jungfräuliche Jägerin auf Bogen und Fackel waren ihre gewöhnlichen Attribute; ihre Kleidung war im ältern Stil lang herabwallend und faltenreich, später kurz geschürzt und derjenigen der Amazonen verwandt. An den Füßen trägt sie häufig Jägerschuhe. Ihr Gesichtsschnitt zeigt Verwandtschaft mit dem des Apollon, nur sind die Formen zarter und rundlicher. Eigentümlich ist beiden (aber auch der Aphrodite) das Hinaufbinden der Haarflechten auf den Scheitel in einen gewöhnlich Krobylos genannten Knoten. Als Jägerin erscheint Diana häufig in lebhaftem Ausschritt, nach dem im Rücken hängenden Bogen greifend, an ihrer Seite ein Reh; so aufgefaßt ist die berühmte Artemis von Versailles im Louvre, gefunden in der Villa Hadrians bei Tivoli (vgl. Abbildung). Mit Fackel und Bogen ist die hochgeschürzte Artemis Laphria auf Münzen wiedergegeben. Als Hegerin des Wildes mit langem Gewand und wallendem Mantel zeigt sich die archaisierende Statue von Gabii in München. Mit Symbolen überladen ist das altertümliche Bild der oben erwähnten Artemis von Ephesos, einer nach oben sich verbreiternden Säule mit Füßen, Kopf, Armen und zahlreichen Brüsten gleichend. Eine elegante Nachahmung eines ältern Kultusbildes ist die Statue einer Diana im Museum zu Neapel (1760 in Pompeji in einem kleinen Tempel gefunden), mit langem, zierlichem Gewand bekleidet, den Köcher auf dem Rücken, besonders interessant wegen der deutlich sichtbaren Spuren von Bemalung. Von großer Schönheit ist auch die Diana Colonna im Berliner Museum, ebenfalls lang gewandet und vielleicht ursprünglich zwei Fackeln haltend; ferner ein Bronzekopf des Britischen Museums, der wahrscheinlich aus Griechenland stammt. Nicht mehr erhalten sind die im Altertum gefeierten Werke von Skopas, Praxiteles, Timotheos u. a. Vgl. Claus, De Dianae antiqulssima apud Graecos natura (Bresl. 1881); Schreiber, A. (in Roschers "Lexikon der Mythologie", Leipz. 1884).

Meyers Konversations-Lexikon, 3. Auflage von 1878

Diana bei Moritz

Diana: Drei himmlische Göttinnen sind über die Macht der Venus erhaben: Minerva, welche dem Kriege vorsteht und nützliche Künste die Menschen lehrt; die jungfräuliche Vesta, welche bei Jupiters Haupte schwur, sich nie einem Manne zu vermählen, und Diana mit dem goldenen Bogen, die sich der Pfeile freut, an schattichten Wäldern ihre Lust hat und an der Verfolgung der schnellen Hirsche sich ergötzt.

Als Jupiter, den sie schmeichelnd bat, ihr den jungfräulichen Stand vergönnte, so nahm sie Pfeil und Bogen, zündete ihre Fackel bei Jupiters Blitzen an und ging, von ihren Nymphen begleitet, hoch in den Wäldern einher und auf den stürmischen Gipfeln.

Sie spannt den goldenen Bogen und sendet die tödlichen Pfeile ab. Die Spitzen der Berge zittern, vom Ächzen des Wildes ertönt der Wald. Hoch über alle ihre Nymphen ragt die Göttin mit Stirn und Haupt empor und wendet ihr Geschoß nach allen Seiten.

Doch vergißt die hohe Göttin auch im Getümmel der Jagd des himmlischen Bruders nicht. Und wenn sie genug mit Jagen sich ergötzt hat, so spannt sie den goldenen Bogen ab und eilet nach Delphi zu dem Sitze des leuchtenden Apollo. Da hängt sie ihren Bogen auf und führt die Chöre der Musen und Grazien an, welche das Lob der himmlischen Latona singen, die solche Kinder gebar.

Als die Schwester des Apollo schimmert Diana am hellsten hervor, weil dieser seinen Glanz mit auf sie wirft. So wie sie mit ihm vereint die Kinder der Niobe mit schrecklichen Pfeilen tötet, so richtet sie auch mit ihm vereint ihr sanftes Geschoß auf die Geschlechter der Menschen, die gleich den welkenden Blättern der blühenden Nachkommenschaft allmählich weichen.

Nach einer schönen Dichtung übte sich Diana zu diesem Geschäft zuerst an Bäumen, dann an Tieren und zuletzt an einer ungerechten Stadt, wo sie die Menschen mit verderblichen, Krankheit und Seuchen bringenden Pfeilen erlegte.

Das Urbild der Diana ist der leuchtende Mond, der kalt und keusch in nächtlicher Stille über die Wälder seinen Glanz ausstreuet. – Diese Keuschheit der Diana selber aber ist ein furchtbarer Zug in ihrem Wesen. Den Jäger Aktäon, der sie im Bade erblickte, ließ sie, in einen Hirsch verwandelt, von seinen eigenen Hunden zerrissen, ihrer jungfräulichen Schamhaftigkeit ein schreckliches Opfer werden.

Und als eine Priesterin der Diana ihren Tempel durch die Annahme der Besuche ihres geliebten Jünglings in demselben entweihte, bestrafte die Göttin das ganze Land mit Pest und Seuchen, bis man das schuldige Paar ihr selber zum Opfer brachte. – Ihr widmeten sich die Jungfrauen, die das Gelübde der Keuschheit taten, dessen Verletzung sie mit grausamen Strafen rächte.

Wenn Jungfrauen, die dies Gelübde taten, sich dennoch, ihren Entschluß bereuend, vermählen wollten, so zitterten sie vor Dianens Rache und suchten die zürnende Göttin mit Opfern zu versöhnen.

Diana und Venus waren die Allerentgegengesetztesten unter den himmlischen Göttergestalten. Demohngeachtet wurden beide verehrt. Die ausschweifende Lust der einen und die Keuschheit der andern war über Lob und Tadel der Sterblichen weit erhaben, die eine wie die andre gleich wohltätig und gleich furchtbar.

Als aber die mächtige Diana in dem Treffen vor Troja die mächtigere Juno zum Streit aufforderte, so fühlte sie die starken Arme der Vermählten des Donnergottes. »Das Wild auf den Bergen«, sprach Juno, »kannst du töten, aber nicht mit Mächtigern streiten!«

Darauf faßte sie die beiden Hände der Diana an dem Gelenke in ihre Linke zusammen, nahm mit der Rechten den Köcher von Dianens Schulter und schlug sie damit auf beide Wangen, daß die Pfeile zur Erde fielen; – und gleich der furchtsamen Taube vor dem Habicht, floh die sonst so mächtige Göttin weinend davon und ließ ihren Köcher zurück, welchen Latona wieder aufhob und die zerstreueten Pfeile wieder auflas.

So menschenähnlich auch diese hohen Göttergestalten handeln, ist dennoch diese Dichtung groß und schön, sobald man sie nicht einzeln, sondern im Sinn des Ganzen dieser Dichtung nimmt.

Derselbe furchtbare Köcher, aus welchem die tödlichen Pfeile sich über das Geschlecht der Sterblichen verbreiten, ist ein leichtes Spielwerk in den Händen der erhabenen Juno, die ihn als ein Werkzeug braucht, den Übermut der Mindermächtigen zu bestrafen, deren errötende Wange von einer stärkern Hand die Schläge des rasselnden Köchers fühlt, mit welchem sie sonst furchtbar einhergeht. – Es gibt kein treffenderes Bild der tief gedemütigten weiblichen Macht als dies.

Der weisere Apoll antwortet dem Neptun, der ihn zum Streit auffordert: »Warum sollte ich mit dir der elenden Sterblichen wegen fechten, die gleich den Blättern auf den Bäumen nur eine Zeitlang dauern und bald verwelken! Laß uns vom Kampf abstehen; sie mögen untereinander sich selbst bekriegen!«

Aus Karl Philipp Moritz - Götterlehre


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