Esoterik - Okkultismus  

Grazien - Chariten















Grazien / Chariten

Die Grazien



Grazien
Die hohen blendenden Reize der mächtigen Liebesgöttin (siehe auch Liebesgötter)vervielfältigen sich in den Grazien oder Charitinnen und wurden wohltätig, sanft und milde. Vom Himmel senkten die drei Huldgöttinnen zu den Sterblichen sich hernieder, um die schönen Empfindungen der Dankbarkeit und des wechselseitigen Wohlwollens in jeden Busen einzuflößen. Auch waren sie es, welche vor allen anderen Göttern den Menschen die süße Gabe zu gefallen erteilten.

Sie hießen mit ihren besondern Namen Aglaja, Thalia und Euphrosyne und waren vom Jupiter mit der Eurynome, der schönen Tochter des Oceans, erzeugt, die unter den alten Gottheiten in der Dichtung schon mit aufgetreten ist. Den Grazien waren allenthalben Tempel und Altäre errichtet; um ihre Gunst flehte jedes Alter und jeder Stand; ihnen huldigten Künste und Wissenschaften; auf ihren Altären zündete man täglich Weihrauch an; bei jedem frohen Gastmahl waren sie die Losung, und man nannte mit Ehrfurcht ihre Namen.



Dem Amor und den Musen wurden die Grazien zugesellt; oft hatten sie mit dem Amor, öfter noch mit den Musen gemeinschaftlich einen Tempel; sie umgaben selbst Jupiters Thron; im Himmel und auf Erden erkannte man ihre Herrschaft und huldigte ihrem Einfluß, ohne welchen die Schönheit selber zum toten Gemälde wird. Denn durch die Grazien, in tanzender Stellung abgebildet, wird vorzüglich der Reiz der Bewegung im Gang, Gebärden und Mienen ausgedrückt, wodurch die Schönheit am meisten die Seele fesselt. Hand in Hand geschlungen wandelnd, bezeichnen sie wieder jede sanfte Empfindung des Herzens, die in Zuneigung, Freundschaft und Wohltun sich ergießt. – Gewiß mußte die religiöse Verehrung dieser schönen Wesen auf das Leben und die Denkart der Alten einen unverkennbaren Einfluß haben.

Um gleichsam zu bezeichnen, daß bei den ausschweifendsten Bildungen der Phantasie die Grazie dennoch versteckt sein und die Grenze bezeichnen müsse, machte man hohle Bildsäulen von Satyrn, worin man, wenn sie eröffnet wurden, kleine Bilder der Grazien fand.

Auf der hier beigefügten Kupfertafel befindet sich außer den Grazien, nach einer antiken Gemme, noch eine der Horen oder Jahrszeiten, vor einer Art von Altar stehend, mit Palmblättern auf dem Haupte und tanzend Früchte in den Händen tragend, nach einem antiken Marmorwerk aus Winckelmanns Monumenten. Die andern beiden Figuren auf ebendiesem Denkmale sind auf ähnliche Weise sich zum Tanz bewegend dargestellt, nur mit dem Unterschiede, daß zu den Füßen der einen, welche den Frühling bezeichnet, eine Blume aufsprosset und zu den Füßen der andern, die den Winter andeutet, auf der altarähnlichen Erhöhung von aufeinandergelegten Steinen ein kleines Feuer lodert.

Da nun die erste Figur mit den Früchten den Herbst abbildet, so finden in dieser sinnbildlichen Darstellung nur drei Jahrszeiten statt, weil man unter dem Merkmale der reifen Früchte in jenem wärmern Himmelsstrich sowohl den Sommer als Herbst begriff. In einigen ältern Dichtungen ist die Zahl der Horen nur zwei, weil man das ganze Jahr in Sommer und Winter teilte.
Aus Karl Philipp Moritz - Götterlehre


Anregungen / Vorschläge / Texte bitte an:



Zum Lexikon - Götter - Wohnstätten der Götter - Halb-Götter
Esoterik-Okkultismus-Inhaltsverzeichnis



Esoterik-Okkultismus-Lexikon Esoterik-Okkultismus-Literatur

Esoterik-Okkultismus-Impressum
Die Grazien

(c) by Christian Hilscher (2006)