Esoterik - Okkultismus  

Jupiter















Der Gottvater Jupiter

Jupiter - Gott der römischen Mythologie

Jupiter der Göttervater, Himmels- und Kriegsgott. Wurde ursprünglich verehrt als Herr des Donners und Blitzes, des himmlischen Segens für die Feldfrüchte. Jupiter war auch der Gott, der die Treue und das Rechts schützte.
Jupiter war Sohn des Saturn und der Ops. Er war der höchste Gott der Römer und entsprach Zeus. Er war der Gemahl der Juno, sowie einiger anderer. Er zeugte viele Götter.



Jupiter bei Moritz

Jupiter, der Vater der Götter

In der Darstellung der alten Götter spielt die Phantasie der Dichter mit lauter großen Bildern. Es sind die großen Erscheinungen der Natur: der Himmel und die Erde, das Meer, die Morgenröte, die Macht der sich empörenden Elemente unter dem Bilde der Titanen, die strahlende Sonne und der leuchtende Mond, welche alle nur mit wenigen Zügen, als persönliche Wesen dargestellt, in Reihe und Glied mit stehen und mehr Stoff für die Dichtkunst als für die bildende Kunst darbieten.

Aus dem Nebel dieser Erscheinungen treten die neuen Göttergestalten im Sonnenglanz hervor: der mächtige Donnergott mit dem Adler zu seinen Füßen; Neptun, der Erderschütterer, mit dem mächtigen Dreizack; die majestätische Juno; der ewig junge Apoll mit dem silbernen Bogen; die blauäugichte Minerva mit Helm und Spieß; die goldne Aphrodite; die jungfräuliche Diana mit Köcher und Bogen; der eherne Kriegsgott Mars; Merkur, der schnelle Götterbote.

Auf den Jupiter selber fällt der höchste Glanz zurück; denn er ist der Erzeuger der strahlenden Gestalten, die in jugendlicher Schönheit neu hervorgehen. – Neptun und Pluto, Juno, Vesta und die befruchtende Ceres sind unter den neuen Göttern mit ihm zugleich vom Saturnus erzeugt und von der Rhea geboren; vom Jupiter selber ist die größte Zahl der neuen Götter entsprossen.

Unter den alten Gottheiten erzeugte Jupiter schon:
mit der Metis, einer Tochter des Oceans, die Minerva;
mit der Mnemosyne, einer Tochter des Himmels, die Musen;
mit der Themis, einer Tochter des Himmels, die Göttinnen der Eintracht und Gerechtigkeit;
mit der Eurynome, einer Tochter des Oceans, die Grazien;
mit der Latona, einer Tochter des Cöus und der Phöbe, den Apoll und die Diana;
mit der Maja, einer Tochter des Jupiter, den Merkur.

Allein alle diese hohen Göttinnen und erhabnen Mütter himmlischer Wesen treten dennoch in Schatten zurück gegen die herrschende Juno, die vor allen das Recht behauptet, die Vermählte des Donnergottes zu sein, und deren Eifersucht dem Jupiter, nachdem er schon lange die Titanen besiegt und die Giganten überwunden hat, noch oft den Glanz seiner Göttermacht verleidet.

In die Götterehe des Jupiter und der Juno trug die Dichtung auch die menschlichen Verhältnisse hinüber, welche nach den Begriffen einer Gottheit des Verstandes freilich töricht und lächerlich waren, aber nicht nach dem Begriff einer Gottheit der Phantasie, deren nachahmende Bildungskraft sich ebensowohl ihre Götter nach dem Bilde der Menschen als ihre Menschen nach dem Bilde der Götter schuf, leise ahndend, daß die Menschheit beides in sich vereinigt.

In diesem Sinne ist Juno auch die Göttin der Ehe und gebar dem Jupiter die Lucina oder Ilithya, welche den Schwangern bei ihrer Entbindung beisteht. Mit ihr erzeugt Jupiter auch die Hebe oder die Göttin der Jugend, ein Sinnbild der Fortpflanzung, wodurch die Gattung immer neu geboren, in ewiger Jugend sich erhält. Diese Göttin ist dereinst dem Herkules, wenn er durch große und schöne Taten sich die Unsterblichkeit erworben, zum Lohn der Tugend und Tapferkeit bestimmt.

Juno gebar aber auch dem Jupiter den unversöhnlichen Mars, den schrecklichen Kriegsgott, auf welchen Jupiter oftmals zürnte und ihn vom Himmel zu schleudern drohte, aber seiner schonte, weil er sein eigner Sohn war.

Den Vulkan gebar die Juno ohne Begattung, dem Jupiter zum Trotz, weil dieser die Minerva aus seinem Haupte geboren hatte. – Es sind die beiden bildenden Gottheiten, in deren Hervorbringung Jupiter und Juno wetteifern.

Jupiter Er hat auf dem Olymp den höchsten Sitz; er winkt mit den Augenbraunen, und der Olymp erbebt; er ist das umgebende Ganze selber; vor ihm beugt sich der Erdkreis; er lächelt, und der ganze Himmel heitert auf einmal sich auf.

Mit seiner Macht und Hoheit vereint sich die ganze Fülle der Jugendkraft, welche durch nichts gehemmt ist. Der Himmel faßt die Fülle seines Wesens nicht. – Um seine Götterkraft in manchem Heldenstamme auf Erden fortzupflanzen, richtete er auf die Töchter der Sterblichen seine Blicke; und damit sie Semelens Schicksal nicht erführen, hüllte der Allesdurchwebende in täuschende Gestalten seine Gottheit ein.

Von seinem hohen Sitze senkte er sich in dem goldnen Regen in Danaens Schoß hernieder und erzeugte mit ihr den tapfern Perseus, der die Ungeheuer mit mächtigem Arm besiegte.

Mit dem majestätischen Schwanenhalse schmiegte er sich an Ledas Busen, und sie gebar den edelmütigen Pollux und die göttliche Helena, das schönste Weib auf Erden, aus Jupiters Umarmung.

In der Kraft des mutigen Stiers lud er mit sanftem Blick die jungfräuliche Europa auf seinen Rücken ein und trug sie durch die Meeresfluten an Kretas Ufer, wo er den Minos mit ihr erzeugte, der den Völkern Gesetze gab und über sie mit Macht und Weisheit herrschte.

Auch die Tiergestalten sind in diesen Dichtungen heilig, wo man unter dem Bilde der Gottheit die ganze Natur verehrte und nichts Unedles in der Vorstellung lag, den höchsten unter den Göttern in irgendeiner der Gestalten der allumfassenden Natur sich verhüllt zu denken.

Daß nun eine widerstrebende, eifersüchtige und doch auch erhabene Macht die höchste Macht zu beschränken und ihre Plane zu vereiteln sucht, daß Jupiters verstohlnen Umarmungen die tapfern Söhne entstammen, ist ganz in dem Geiste dieser Dichtungen, wo alles Schöne und Starke, was sich entwickeln und bilden soll, mit Widerstand und Schwierigkeiten kämpfen und manche Not und Gefahr bestehen muß, bis sein Wert erprobt ist.

Von nun ist die Göttergeschichte in die Geschichte der Menschen verflochten und verwebt. Die Götterkriege haben nun aufgehört, und was die seligen Götter noch beschäftigt, das sind die Schicksale der Sterblichen, mit denen ihre Macht, den einen hebend, und den andern stürzend, zum öftern gern ihr Spiel treibt, zum öftern aber auch der hohen Heldentugend und Tapferkeit sich annimmt; zuerst am Kampf des Helden sich ergötzt und dann mit Unsterblichkeit den Sieger lohnt.

Nun ist es aber das Verhältnis des Donnergottes zu der hohen Juno, worin die Verwickelung dieser Geschichten größtenteils sich gründet. Ihre verfolgende Eifersucht ist es, die den Helden ihre schwere Laufbahn vorschreibt. – So bildet sich das Gewebe dieser Dichtungen aus einem erhabenen Punkte und knüpft sich immer wieder an die Majestät der herrschenden Gottheit an.
Aus Karl Philipp Moritz - Götterlehre


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