Die Lernäische Schlange
Die Lernäische Schlange und Herkules
Die Lernäische Schlange
In dem Sumpfe von Lerna bei Argos (siehe Argos) hielt sich die vielköpfige Hydra auf, deren in der Stammtafel der Ungeheuer, die vom Phorkys (s. Phorkys) und der schönen Ceto sproßten, schon gedacht ist.
Die Zeit der Helden war der Tod der Ungeheuer, die der Arm der Göttersöhne eins nach dem andern von der Erde tilgte; und Herkules ließ nun, so wie Perseus (s. Perseus) mit der Gorgo und Bellerophon (s. Bellerophon) mit der feuerspeienden Chimära, auf den Befehl des Eurystheus mit der vielköpfigen Hydra in den furchtbaren Kampf sich ein.
Sowie er einen Kopf des Ungeheuers mit seinem sichelförmigen Schwerte vom Rumpfe trennte, wuchs aus dem Blut ein neuer wieder, bis in der äußersten Gefahr, welche dem Helden drohte, sein Gefährte, Iolaus, des Iphikles Sohn, mit Feuerbränden, die er aus dem nahgelegenen Walde holte, nach jedem Hieb des Herkules (s. Herkules) sogleich die Wunde zubrannte, ehe noch aus dem Blute ein neuer Kopf emporschoß.
Nun aber erschwerte Juno (s. Juno) dem Herkules seinen Sieg, indem sie einen Seekrebs schickte, der dem Held, sowie er kämpfte, an den Fersen nagte und ihn sich umzuwenden zwang. Auch diesen Angriff bestand der Sohn des Donnergottes und grub nach langem Kampf das letzte Haupt der Hydra, das unverletzlich war, tief in die Erde und wälzte einen ungeheuren Stein darüber.
Zum Lohn für seine Arbeit tauchte er in das vergoßne Blut der Hydra seine Pfeile, die durch das tödliche Gift nun doppelt furchtbar waren und über ihren Besitzer, selbst durch seines Feindes Tod, dereinst noch Qual und Verderben bringen sollten.
Wenn unüberwindlicher Mut und Standhaftigkeit bei der Überwindung unzähliger Hindernisse und immer erneuerter Gefahren irgend durch ein treffendes Sinnbild bezeichnet wird, so ist es in dieser Dichtung von dem Siege des Herkules über das vielköpfige Ungeheuer. Alte und neuere Dichter haben daher dies Bild auch stets genützt, weil es sich durch kein bedeutenderes ersetzen läßt.
Aus Karl Philipp Moritz - Götterlehre
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