Esoterik - Okkultismus  

Satyrn















Die Satyrn

Satyrn : Waldgeister

Halbgötter des Waldes im Gefolge des Dionysos / Bacchus.



Satyrn
Satyrn - In das Dunkel des Waldes versetzt die Dichtung auch die Satyrn mit Hörnern und Ziegenfüßen. Diese Wesen machen gleichsam einen Schlußpunkt für die Tierwelt und die Menschenwelt, worin sich das Getrennte in einer neuen Erscheinung spielend wieder zusammenfindet. Es ist der leichte Ziegenfuß, welcher sich in dieser Dichtung scherzend der Menschenbildung anschmiegt. Jugendliche Schalkhaftigkeit und unbesorgter Leichtsinn zeichnen die Bildung dieser Wesen aus, welche, obgleich sterblich, dennoch durch eine höhere Natur über die Sorgen und den Kummer der Menschen erhaben sind.

Die bildende Kunst stellte erst diese Wesen der Phantasie dem Auge dar; und der Glaube an ihre Wirklichkeit mußte sich desto länger erhalten, weil nach den Volksbegriffen keiner ungestraft eine Nymphe oder einen Waldgott sehen durfte. Statt also dem wirklichen Dasein dieser Wesen nachzuforschen, suchte vielmehr ein jeder vor ihrer unvermuteten Erscheinung in einsamen Gegenden sich zu hüten; und nur der begeisterte Dichter sah im Gefolge des Bacchus auf dem einsamen Felsen Nymphen, die auf des Gottes Lehren horchten, und bockfüßige Satyrn, die mit spitzen Ohren lauschten.

In den Satyrn hat die bildende Kunst die menschliche Gestalt so nahe wie möglich an die tierische grenzend darzustellen gesucht. Ein Satyr auf einer antiken Gemme, der mit einem Bock sich stößt, ist von diesem kaum durch etwas mehr als den Leib und die Arme unterschieden, weil die Bocksgestalt sogar bis auf die Gesichtszüge sich erstreckt, die, obgleich menschenähnlich, dennoch eine tierische Natur ausdrücken. Sehr komisch ist die Stellung des Satyrs, der beim Anlauf mit den Hörnern die Hände auf den Rücken hält, um gleichsam jedes Vorteils über den Bock sich zu begeben.

Diese komischen Gestalten machen in dem Gefolge des Bacchus unter den Nymphen, Genien und Liebesgöttern (siehe Liebesgötter) den reizendsten Kontrast, so daß es scheint, als wenn sie in diesen Gruppen und überhaupt unter den Göttergestalten nicht fehlen dürften, weil in diesen halb göttlichen und halb tierischen Wesen, in deren Miene sich Lachen und Spott vereint, die Dichtung gleichsam erst ihre Vollständigkeit erhält und mit ihnen den Zug beschließt.
Aus Karl Philipp Moritz - Götterlehre


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