Sylvan
Sylvan - Silvanus : Gott des Waldes, Schutzherr der Pflanzen und Tiere
Sylvan
Sylvan - Silvanus - Der eigentliche Gott der Wälder, den einige Dichtungen den übrigen noch hinzufügen, wird vom Pan nur wenig verschieden abgebildet, außer daß er, um gleichsam die Nacht des Waldes zu bezeichnen, einen Zypressenzweig in der Hand trägt, der zugleich das Freudenlose und Melancholische seines einsamen Aufenthalts mit bedeuten sollte, weswegen er auch den Landleuten furchtbar war.
Auf der hier beigefügten Kupfertafel befindet sich unten, nach einem antiken geschnittenen Steine, ein tanzender Faun und oben eine sehr getreue Darstellung im Umriß von einem der schönsten Werke des Altertums, das unter dem Namen ›Der Siegelring des Michelangelo‹ allgemein berühmt ist. Man sieht hier Nymphen, Satyrn, Faunen, Liebesgötter in eine einzige schöne Gruppe vereinigt, in deren Mitte eine edle Mannsgestalt mit einem Roß an der Hand emporragt. Die Weinranken, welche an zwei Ulmenbäume sich hinaufwinden, bilden eine Laube, worüber zwei kleine Liebesgötter eine Decke ausbreiten. Einige von den weiblichen Figuren tragen Körbe mit Weintrauben angefüllt auf den Köpfen; andre, am Boden sitzend, sind vorzüglich mit einem Kinde beschäftigt, das sich der einen an den Busen schmiegt und auf die Erziehung des jungen Bacchus von den Nymphen dies Kunstwerk deuten läßt.
Zu der Gruppe der sitzenden Figuren gesellt sich ein Faun, der kniend neuen Wein in eine Schale gießt. Hinter ihm steht ein Satyr und bläst auf einem Horn. Am Ende trägt ein Knabe noch ein Gefäß mit Wein herzu. Vorzüglich schön ist die Stellung der beiden weiblichen Figuren auf der andern Seite, wovon sich die eine mit dem Korbe auf dem Haupte zu ihrer Gefährtin niederbückt. Neben diesen beiden Figuren hält eine dritte ihren Arm in die Höhe, um dem einen Liebesgott eine Schale zu reichen. Und nichts kann reizender sein, als wie die beiden Liebesgötter, um auch am Genuß mit teilzunehmen, von oben ihre Hände ausstrecken, der eine nach der emporgehaltenen Schale, der andre nach dem Korb voll Trauben, den eine von den Nymphen auf dem Haupte trägt.
Aus Karl Philipp Moritz - Götterlehre
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