Esoterik - Okkultismus  

Herkules letzte Duldung und Vergötterung















Herkules

Des Herkules letzte Duldung und seine Vergötterung



Des Herkules letzte Duldung und seine Vergötterung
Schon lange hatte ein Orakelspruch dem Herkules geweissagt, daß er den Tod von keinem Lebenden, sondern nur von einem Toten befürchten dürfe. Diese Prophezeiung war nun ihrer Erfüllung nahe. – Auf dem Vorgebirge Cenäum von Euböa errichtete Herkules nach dem Siege über den Eurytus dem Jupiter Altäre und war die Opfertiere zu schlachten im Begriff, als Lichas ihm das Geschenk der Deianira überbrachte.

Herkules freute sich des Geschenks und zog sogleich das Kleid als einen festlichen Schmuck zum Opfer an, brachte nun eine Hekatombe den Göttern dar und ließ die Flamme von den Altären gen Himmel lodern, als plötzlich das Gewand wie angeleimt an seinem Körper klebte und Zuckungen durch alle seine Glieder fuhren. Es war das Gift der Hydra, die er selbst erlegt hatte, das nun sein Innerstes verzehrte.

Er rief dem unglücklichen Lichas, der ihm das Kleid gebracht, und schleuderte ihn, da der Schmerz in seinen Eingeweiden wütete, an einen Felsen, an welchem sein Schädel zerschmettert ward. – Mitten in seinen Qualen ließ Herkules sich nach Trachina bringen. – Kaum aber hatte Deianira die Würkung ihres Geschenks vernommen, so gab sie verzweiflungsvoll sich selbst den Tod.



Hyllus, ein Sohn des Herkules, den er mit der Deianira erzeugte, stand ihm in seinen Qualen bei und brachte auf seinen Befehl ihn auf den Berg Öta, wo Herkules auf dem lodernden Scheiterhaufen seine Leiden durch einen freiwilligen Tod zu enden beschlossen hatte, indem er zugleich dem Hyllus seine geliebte Iole empfahl und Pfeile und Bogen seinem treuen Gefährten, dem Philoktet, des Päas Sohn, zum Erbteil hinterließ. Als Herkules nun den Scheiterhaufen bestiegen hatte und die lodernde Flamme ihn umgab, da heiterte sich sein Antlitz auf. Er hatte die Leiden der Menschheit ausgeduldet und ihre Schwächen abgebüßt; die sterbliche, den Schmerzen unterworfene Hülle fiel von ihm ab; sein Schattenbild nur sank zum Orkus nieder, sein eigenes Selbst stieg in die Versammlung der Götter zum Olymp empor. – Juno war versöhnt, und Hebe, die Göttin der ewigen Jugend, ward nach des Schicksals Schluß dem neuen Gott vermählt.

Auf der hier beigefügten Kupfertafel befinden sich nur zwei Abbildungen von Herkules. Die erste, nach einem antiken geschnittenen Steine, stellt ihn als Jüngling dar, wie er den Nemeischen Löwen erdrückt, die andre, ebenfalls nach einer antiken Gemme, wie er nach vollendeter Laufbahn von seiner vollbrachten Arbeit ausruht.
Aus Karl Philipp Moritz - Götterlehre

Herkules: Vergehen, Vermählungen, Schwächen



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