Esoterik - Okkultismus  

Vulkan















Vulkan - römischer Gott

Vulkan - Gott des Feuers

Vulkan, ist der römische Gott des Feuers (auch kunstfertiger Schmied). Er entspricht dem griechischen Hephäst / Hephaistos. Vulkan ist Gatte der Maja und Vater des Cäculus und des Cacus. Er ist Schützer gegen Feuersbrünste mit dem alten Beinamen Mulciber.

Vulkan: Vulcanus (ältere Form Volcanus), der dem griech. Hephästos (s. d.) entsprechende und mit ihm identifizierte italische Gott des Feuers und der Schmiede- und Schmelzkunst (daher auch Mulciber, der "Erreicher, Schmelzer", genannt). Als wohlthätiger, durch Wärme befruchtender Naturgott ist er der Gemahl der Frühlingsgöttin Maja (s. d.), der auch von seinem Priester, dem Flamen Volcanalis, geopfert wurde; seitdem man ihn mit Hephästos identifizierte, gab man ihm auch die Venus zur Gattin. Unter seinen Heiligtümern in Rom ist das merkwürdigste das sogen. Volcanal am Comitium, eine über dasselbe erhöhte Fläche, gewissermaßen der Herd dieser Stätte der bürgerlichen Versammlungen. Sein Hauptfest, die Volcanalia, wurde am 23. Aug. gefeiert; bei demselben warf man gewisse Fische als Opfer in das Feuer des häuslichen Herdes, auch fanden Rennspiele im Flaminischen Zirkus statt. Als Gott der Metallarbeit wurde ihm am 23. Mai geopfert, dem Tag, an welchem eine Reinigung der beim Gottesdienst gebrauchten Trompeten (tubilustrium) angestellt wurde. Als Gebieter des Feuers ist Vulkan auch Gott der Feuersbrünste, daher man seine Tempel außerhalb der Stadt anlegte, wie sich auch sein Tempel in Rom auf dem Marsfeld befand. Als Schutzgottheiten (siehe auch Schutzgötter) bei Feuersbrünsten verehrte man neben ihm Juturna (s. d.) und die Stata Mater u. brachte ihnen allen ein öffentliches Opfer bei dem Feste der Volcanalien.
Meyers Konversations-Lexikon, 3. Auflage von 1878

Vulkan bei Moritz

Vulkan: Das Mühsame und Beschwerliche der Arbeit in der mit Rauch und Dampf erfüllten Werkstatt, zusammengedacht mit der erhabnen Kunst, die unermüdet hier mit schaffendem Geiste wirkt, hüllte die Phantasie der Alten in eine eigene hohe Götterbildung ein, bei welcher alle Kraft sich in dem mächtigen Arm vereint, der den gewaltigen Hammer auf dem Amboß führt, indes die gelähmten Füße hinken.

Wetteifernd mit dem Jupiter, hatte Juno den Vulkan, wie dieser die Minerva, aus sich selbst geboren und erzeugt. Jupiter aber schleuderte ihn vom Himmel hinab; er sollte in den glänzenden Reihen des hohen Götterchors nicht aufgenommen sein.

Der Rauch, der schwarze Dampf, die halberstickte Flamme vereinte sich mit dem reinen Äther nicht und widerstrebte dem Begriff von Klarheit, Schönheit und hoher Götterwürde. Die Häßlichkeit Vulkans ist ihm ein bittrer Vorwurf.

Und dennoch nahm die Phantasie auch diese Götterbildung unter den Glanz des Hohen und Himmlischen durch den Weg des Komischen wieder auf. Die seligen Götter geraten in ein unendliches Lachen, wenn der hinkende Vulkan, das Amt des Ganymed verwaltend und selbst über sein Gebrechen scherzend, den mit Nektar gefüllten Becher in der Versammlung der Götter umherreicht.

Die kühne Einbildungskraft der Alten aber wußte das Komische selber wieder mit Göttermacht und Hoheit und einer über alles Menschliche erhabnen Würde zu umkleiden, wodurch sie eine Schattierung mehr erhielten, die ihren Dichtungen einen unnachahmlichen Reiz gibt.

Der hinkende, wegen seiner Häßlichkeit vom Himmel geschleuderte Sohn der Juno, welcher unbehülflich das Amt des zarten Ganymed verrichtet, ist in der mechanischen Kunst vortrefflich; bei dieser schaden ihm die gelähmten Füße nicht; auch schmälert sein Sturz vom Himmel die Macht und Hoheit nicht, wodurch er ein Gegenstand der Verehrung der Völker wird.

In seiner Schmiede führt er auf dem Amboß mit mächtigen Schlägen selbst den Hammer; aber Luft und Feuer stehn ihm zu Gebote. Die Blasebälge atmen auf seinen Wink und hauchen die Flamme schwächer oder stärker an; jeder seiner Gedanken führt schnell mit Götterkraft sich aus, und unter seinen bildenden Händen tritt majestätisch das Werk hervor.

Ihm ist es ein leichtes, seinen Bildungen Leben einzuhauchen; er schmiedet zwanzig Dreifüße, auf goldenen Rädern rollend, welche auf seinen Wink in die Versammlung der Götter gehen und wiederkehren. Auch hat er sich goldne Mägde gebildet, die Leben und Bewegung haben und ihn im Gehen stützen.

Wenn er aus seiner Schmiede tritt, so trägt er ein königlich Gewand und Zepter; auch ist in ihm die hohe bildende Kunst, obgleich in unansehnliche Gestalt verhüllt, doch mit der Schönheit selbst vermählt; durch diese Vermählung mit der Venus aber erhält das Komische in den Zügen der Götterbildung des Vulkan den höchsten Reiz, weil auch die Eifersucht sich dazugesellt.

Das künstliche Netz, welches der eifersüchtige Gatte um den Mars und die Venus schmiedet und alle Götter herbeiruft, um über sein Unglück sich zu beklagen, ist in den Dichtungen der Alten unter Göttern und Menschen zu einer belustigenden Fabel geworden, wodurch der finstre Ernst gemildert und das Gemüt zu frohem Lächeln aufgeheitert wird.

In der Götterbildung des Vulkan aber findet sich das ganz Entgegengesetzte zusammen, was die Alten vorzüglich in ihren Dichtungen liebten; in ihm vermählt sich die Häßlichkeit mit der Schönheit selber; das Komische ist in ihm mit Würde, die Schwachheit mit der Stärke, die Lähmung des Fußes mit der Kraft des mächtigen Arms vereint. – Es ist, wie wir schon bemerkt haben, gleichsam das Mangelhafte oder die fehlenden Züge, wodurch auch diese Göttergestalt sich an die übrigen anschließt.

Wie hoch aber die Kunst, das Eisen zu schmieden, von den Alten geschätzt wurde, erhellet auch aus dieser Dichtung, wo sie unter allen Künsten allein das ausschließende Geschäft eines Gottes ist, der selber mit in dem Rate der hohen Götter sitzt.

Ob nun gleich Vulkan erst unter den neuern Göttern auftritt, so schimmert dennoch auch sein Urbild unter den alten Göttergestalten dunkel hervor; die Kureten oder Korybanten, welche den Jupiter auf der Insel Kreta bewachten, waren nach einer alten Sage seine Abkömmlinge; auch war er einer der ältesten oder die älteste unter den ägyptischen Gottheiten.

Die Kureten machten schon ein Getöse mit Waffen, die von Eisen geschmiedet waren. Die Cyklopen hatten schon vorher, ehe Jupiters Reich begann, in den Höhlen der Erde den Blitz und den Donner bereitet, und die Erde selber hatte schon eine Sichel geschmiedet, womit Saturnus seinen Erzeuger entmannte.

Auch waren eine Art geheimnisvoller Götterbildungen aus dem höchsten Altertum, welche unter dem Namen der Kabiren in Ägypten und Samothracien verehrt wurden, nach einer alten Sage Söhne oder Abkömmlinge des Vulkan, dessen Erscheinung hiedurch auf einmal weit zurücktritt und in den Nebel der grauen Vorzeit sich verhüllt.

Schön und bedeutend ist es in diesen Dichtungen, daß die bildenden Götter einander hilfreich sind. Als Prometheus die Menschen bildete, so standen Minerva und Vulkan ihm bei. Vulkan aber mußte nachher selber auf Jupiters Befehl den Prometheus an den Felsen schmieden, welches er nach der Darstellung des tragischen Dichters, da er dem Donnerer nicht widerstreben durfte, mit lautem Jammer tat.

Auch wünschte Vulkan, obgleich vergeblich, sich mit der Minerva zu vermählen. Und als er gewaltsam sich ihrer zu bemächtigen suchte, wurde, während er mit der Göttin kämpfte, die Erde von seiner Zeugungskraft befruchtet und gebar den Erichthonius mit Drachenfüßen, den Minerva selbst in Schutz nahm und ihn den Einwohnern ihrer geliebten Stadt Athen zum Könige setzte, wo er, um seine ungestalten Füße zu verbergen, den vierrädrigen bedeckten Wagen erfand.

Die Drachengestalt und Drachenfüße bezeichnen in diesen Dichtungen fast immer das der Erde Entsprossene, mit der Erde nah Verwandte; so bildet die Phantasie die himmelanstürmenden Giganten als Kinder der Erde mit Drachenfüßen; und auch der Wagen der Ceres, die die Erde befruchtet, ist mit Drachen bespannt.

Ganz menschenähnlich stellt die Dichtung den Gott der Flammen dar, wie er, um die Thetis zu empfangen, die zu ihm kömmt, um für ihren geliebten Sohn Achilles einen neuen Schild und Rüstung zu erbitten, sich mit dem nassen Schwamme erst Brust und Nacken, Gesicht und Hände wäscht, um mit dem Schmutz der Arbeit nicht vor der besuchenden Göttin zu erscheinen.

Als er aber in dem Treffen vor Troja auf den Befehl seiner Mutter sich mit seinen Flammen dem Flußgott Skamander widersetzte, der mit seinen anschwellenden Fluten den Achill verfolgte, so begann ein furchtbarer Kampf zwischen den beiden entgegengesetzten Elementen. Zuerst verbrannte Vulkan das Feld mit allen Toten; dann richtete er die leuchtende Flamme gegen den hochaufschwellenden Strom, daß das Schilf an seinen Ufern verbrannte, das Wasser siedete und die Fische geängstiget wurden. Da flehte der Flußgott die Juno um Erbarmung an, und Vulkan ließ ab, ihn zu ängstigen, da seine Mutter es ihm befahl und zu ihm sprach: »Höre auf! Es ist nicht billig, daß ein unsterblicher Gott der sterblichen Menschen wegen so gequält werde.«
Aus Karl Philipp Moritz - Götterlehre


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